Von Anfang an der Zeit voraus

In der heimischen Hotellerie und Gastronomie ist eine bislang undenkbare Bewegung entstanden. Ausgehend von den jüngst in Mode gekommenen ERFA-Gruppen entsteht eine professionelle, österreichweit aktive Einkaufsorganisation. Kann das funktionieren? Eine bisher unveröffentlichte Reportage erzählt von den entscheidenden Momenten zwischen Herbst 1975 und Beginn der Wintersaison 1976.

3. September 1975

Uralte Gewölbe verleihen dem Treffen im Gmundner Restaurant Sonnenhof die Aura eines Geheimbundes. Und noch ist das, was hier entstehen soll, auch mehr oder weniger geheim. Eingeladen hat die ERFA-Gruppe Oberösterreich. Gekommen sind Vertreter einiger der bekanntesten heimischen Tourismusbetriebe – vorwiegend die junge Generation, das spürt man auch am Eifer der Diskussionen, die hier nun schon einen Nachmittag lang laufen. Es liegt etwas in der Luft, man kann förmlich spüren, dass die Idee das Potenzial hat, ganz groß zu werden. Schon länger versuchen ERFA-Gruppen oder regionale Gemeinschaften einen gemeinsamen Einkauf – neben den Oberösterreichern sind auch die Oberkärntner und Murtaler aktiv, auch in St. Wolfgang, Kitzbühel und rund um den Arlberg kooperieren Betriebe, die eigentlich in Konkurrenz stehen. Nun aber planen, nein, beschließen diese Gruppen, sich bundesweit zu verbünden und eine professionelle Einkaufsorganisation zu schaffen. Was mag das für Auswirkungen auf die Branche haben?

Hotel Bristol Wien
Im Wiener Hotel Bristol wurden die Satzungen der hogast unterzeichnet.

20. Februar 1976

Vom stimmungsvollen Kellergewölbe in einen monumentalen Bau an der Wiener Ringstraße: Man kann den Proponenten der hogast – nun hat das Kind einen Namen – und ihrem Ehrgeiz nur Respekt zollen. Nur ein halbes Jahr lag zwischen dem Beschluss und der heutigen Gründungsgeneralversammlung. Eben unterzeichnen 17 Gründungsmitglieder im noblen Hotel Bristol die Satzungen der neuen Einkaufsgenossenschaft. Möglich gemacht haben das auch starke Partner: Volle Unterstützung kommt von der Österreichischen Hoteliervereinigung, Generalsekretärin Eva Träxler ist anwesend, sie will die Vorstellung der hogast und ihrer Vorteile auf ÖHV-Veranstaltungen ermöglichen. Finanzielle Unterstützung für die Anfangsphase kommt von der Österreichischen Volksbanken AG, Generaldirektor Erich Werner hat 500.000 Schilling und außerdem Räumlichkeiten in einer Volksbank zugesagt.

 

1. Juli 1976

Der Tresorraum der Volksbank Taxham in Salzburg macht deutlich, wie die hogast aufgestellt ist: möglichst sparsam, ganz im Sinne ihrer Mitglieder, die eine effiziente Organisation verlangen. Salzburg wird als geografischer Mittelpunkt Österreichs der Hauptsitz der Gesellschaft. Mit Leopold Grafinger haben die Hoteliers und Gastronomen nun einen Fachmann für die Geschäftsführung gefunden. Dieser Tresorraum wird ab heute sein Arbeitsplatz sein. Unterstützung erhält er anfangs nur von ehrenamtlich tätigen Funktionären – seine Mitglieder und Eigentümer zugleich. Diese waren in den vergangenen Monaten eifrig bei der Werbung für die neue Einkaufsgenossenschaft, die nun bereits 122 Betriebe umfasst. Vorerst soll es dabei bleiben. Denn Leopold Grafinger will im ersten Schritt möglichst alle davon besuchen, um deren individuellen Bedürfnisse auszuloten. Parallel dazu sollen erste Verhandlungen mit Lieferpartnern starten. Der offizielle Einkaufsbeginn ist mit 1. Januar 1977 festgelegt worden.

Erste Generalversammlung der hogast im Oktober 1976
Erste Generalversammlung im Hotel Pitter

29. Oktober 1976

Die erste „echte“ Generalversammlung findet im ehrwürdigen Hotel Pitter in Salzburg statt. Der dortige Gastgeber Karl Fellner ist ein glühender Unterstützer der ersten Stunde und hat bereits Räumlichkeiten zugesagt, sobald der Tresorraum, wie absehbar, zu klein wird. Helmut Peter vom Weissen Rössl wird ob seines unermüdlichen Einsatzes für die hogast als Vorstandsobmann bestätigt, ebenso wie der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Franz Pölzl, der als Visionär zu begeistern weiß. Er gibt auch den neuen Leitspruch aus: Individualisten im Verkauf, jedoch eine starke Gemeinschaft im Einkauf. Geschäftsführer Grafinger berichtet, dass die Lieferpartner noch nicht so recht daran glauben, dass mehr als 100 Betriebe wirklich konsequent gemeinsam einkaufen. Erst wenn das bewiesen sei, stelle die hogast eine Macht in einem umkämpften Markt dar und erhalte entsprechende Konditionen. Ab sofort werden auch wieder Betriebe aufgenommen. Jedes Mitglied soll ein neues werben und auf dessen Loyalität zur hogast achten. Zum Abschluss ruft Helmut Peter nochmals eindringlich dazu auf, die erste Einkaufsrunde zu unterstützen. Diese wird übrigens auf 1. Dezember 1976 vorverlegt, damit sich die Winterbetriebe noch eindecken können. Man ahnt, dass es nicht das letzte Mal ist, dass die hogast der Zeit voraus ist.