Die Macher der hogast

Spricht man heute mit ehemaligen Funktionären der hogast, dann erzählen sie weniger von den eigenen Leistungen, als vielmehr von den Geschäftsführern der hogast. Sie alle genießen höchsten Respekt dafür, dass sie die Ideen und Vorgaben aus dem Aufsichtsrat und dem Vorstand in konkrete Leistungen zum Nutzen der Mitglieder umgesetzt haben.
Dkfm. Dr. Leopold Grafinger (r.)
Dkfm. Dr. Leopold Grafinger (r.) brachte die nötige Branchenerfahrung mit, um die hogast Wirklichkeit werden zu lassen.

„Es war ein Glück, dass wir Leopold Grafinger für die hogast gewinnen konnten. Ohne ihn wäre nichts gegangen“, sagt Gründungsmitglied Siegfried Brandstätter. Durch seine Arbeit für einen großen Spirituosenhersteller habe er bereits enormes Wissen über die Branche mitgebracht, das sei entscheidend für die Anfangsphase gewesen. Auch Helmut Peter ist voll des Lobes: „Alle Ehre gebührt Dr. Grafinger, er hat es verstanden, ein klares Geschäftskonzept zu entwickeln und es möglichen Mitgliedern näherzubringen.“

Die Arbeit damals war nicht einfach: Die hogast war noch nicht mehr als eine Idee und in der Branche weitestgehend unbekannt, mögliche Lieferpartner waren skeptisch, dazu waren die Proponenten überwiegend junge Burschen, auf die Grafinger als erfahrener Mann mit mehr als 40 Lenzen auf dem Buckel hören musste. Abgesehen von den ehrenamtlichen Funktionären werkte er anfangs als Einzelkämpfer von einem Tresorraum aus.

Grafinger hat damals in kürzester Zeit enorme Fortschritte erzielt. Wenige Jahre nach dem Start hat er erste Investitionsgüter über die hogast verfügbar gemacht – ein visionärer Schachzug. In den ersten zehn Jahren hat er nicht nur alle bis heute gültigen grundlegenden Prozesse der hogast entwickelt, sondern die Genossenschaft auch auf mehr als 500 Mitgliedsbetriebe mit einem Umsatz von über 600 Millionen Schilling gebracht.

Johann Ruisz (l.)
Johann Ruisz (l.) brachte als Innovator viele Projekte ins Laufen und öffnete die hogast für neue Themen.

Auch am Erfolg seines Nachfolgers hatte Leopold Grafinger wesentlichen Anteil: „Johann Ruisz hat sehr viel von Grafinger gelernt, bevor er die Geschäftsführung übernommen hat, damit war der Wechsel kein Problem“, schildert Siegfried Brandstätter. Dazu kam seine Stärke als Innovator, der viele neue Projekte vorantrieb. So war Ruisz die treibende Kraft hinter der Seminarreihe „hogast Training Plus“, die bei den Mitgliedern allerdings nicht so gut wie erhofft ankam. Auch im Kampf gegen die steigenden Disagio-Sätze bei Kreditkarten war er an vorderster Front tätig, die darauffolgende Gründung der hobex hat Johann Ruisz in die Wege geleitet.

Dabei hatte er es so wie alle bisherigen Geschäftsführer nicht leicht, wie die ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Gillian Pehr schildert: „Hans Ruisz war wirklich sehr gefordert mit uns im Aufsichtsrat, wir waren gemeinsam mit dem Vorstand ständig mit der Weiterentwicklung des Unternehmens befasst und wollten einen Aufbruch einleiten.“ Doch Ruisz fand beispielsweise einen Weg, wie man erstmals auch Großbetriebe in die hogast aufnehmen konnte.

Dr. Renate Schönlieb
Dr. Renate Schönlieb verstand es, die hogast über Jahrzehnte auf zurückhaltende und doch einnehmende Art zu immer neuen Höhen zu führen.

Bereits 1987, also zwei Jahre nach seinem Antritt, bekam Ruisz allerdings Unterstützung von einer Frau, die wie niemand sonst die Geschichte der hogast prägen sollte: Renate Schönlieb. Mit kurzer Unterbrechung war sie bis 2006 in der Geschäftsführung sowie später auch im Vorstand tätig. Ihr liegen die Funktionäre noch heute zu Füßen: „Frau Dr. Schönlieb hat das Unternehmen geführt, als wäre es ihr eigenes. Obwohl sie eigentlich tausende Chefs hatte, hat sie das bravourös gemeistert“, sagt Jakob Platzer, langjähriger Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzender. Diese Identifikation mit der hogast streicht auch Helmut Peter hervor: „Renate Schönlieb hat die hogast auf ihre stille Art und mit ihrem einnehmenden Wesen wie ihr Kind betrachtet und toll entwickelt.“

Siegfried Brandstätter lobt vor allem ihre kommunikativen Fähigkeiten: „Eine sehr angenehme Frau, die ausgesprochen mitgliederorientiert gehandelt hat. Das hat damals viel ausgemacht, weil wir noch viele zusätzliche Betriebe aufnehmen konnten und wollten.“ Jakob Platzer ist noch heute überrascht, mit wie viel Respekt Schönlieb ihm, dem „34-jährigen Rotzlöffel, den sie ihr vor die Nase gesetzt haben“, damals begegnet sei. Die jahrelange Zusammenarbeit sei hervorragend gelaufen, hogast habe sich in der „Ära Schönlieb“ enorm entwickelt: „Renate Schönlieb ist die wahre Heldin der hogast“, sagt Platzer.

Ing. Raimund Schierl (l.)
Ing. Raimund Schierl (l.) führte die hogast während der Auszeit von Renate Schönlieb.

1996 wollte sich Schönlieb ins Privatleben verabschieden. Der langjährige hogast-Mitarbeiter Ing. Raimund Schierl übernahm daraufhin das Steuer und hielt die hogast auf Kurs. Gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Heijo Heymich öffnete er die Genossenschaft für neue Themen wie Treibstoffe und Telefonie. Nach zwei Jahren kam allerdings die Nachricht von Renate Schönlieb, dass ihr das Privatleben allein nicht ausreichend Erfüllung bot. Die hogast wollte sich diese Chance angesichts der langjährigen positiven Erfahrungen nicht entgehen lassen. Schönlieb blieb anschließend noch weitere zehn Jahre in der Geschäftsführung, damit hatte sie während mehr als der Hälfte der gesamten hogast-Geschichte die Zügel in der Hand.

Über die aktuelle Geschäftsführung ist auch viel Positives von den ehemaligen Funktionären zu erfahren. Zu viel loben will jedoch noch niemand öffentlich, um die hohe Motivation nur ja nicht zu stören. Helmut Peter macht die Ausnahme, er zieht den Hut vor Günther Obmascher, seine Idee und das Geschäftskonzept für kleinere Betriebe, die heute im Tochterunternehmen Hotel Gastro Pool gebündelt sind, seien phänomenal gewesen. Und bei Barbara Schenk erkennt er die Identifikation mit dem Unternehmen, wie sie schon Renate Schönlieb gezeigt habe und die enorm wichtig sei, um eine so große Genossenschaft auf Kurs zu halten. Die beiden verstünden es, gemeinsam mit enorm fähigen Leuten in der Führungsebene und einem sensationellen Team Jahr für Jahr Bestleistungen zu liefern, die bemerkenswert seien.