Gut gemeint, aber ...

In 40 Jahren hat die hogast eine Vielzahl an Produkten und Dienstleistungen entwickelt. Der Großteil davon hat sich als Erfolg erwiesen. Es gibt aber auch Initiativen, die nicht angekommen sind. Ein Blick darauf hilft zu verstehen, was die hogast wirklich ausmacht und was eben nicht.
Nicht alles hat geklappt

Ein umstrittenes Thema unter ehemaligen und heutigen Funktionären ist hogast-Data. Das Ziel war bei der Gründung im Jahr 1983 klar: Computer sind die Zukunft, daher soll die hogast ein sogenanntes Einzelplatzsystem entwickeln, bei dem die Mitglieder alles von der Schulung über die Hard- und Software bis hin zum Back-up und zum Service als Komplettpaket erhalten. Für das Tochterunternehmen wurden der Steuerberater Dr. Prodinger und der Betriebsberater Dr. Edinger als Partner mit ins Boot geholt. Die Geschäftsführung übernahm Helmut Peter selbst, direkt nach seinem Ausscheiden als Vorstandsobmann der hogast.

Noch heute denkt er, dass die Einstellung der Entwicklung nur wenige Jahre später ein Fehler war: „hogast-Data hätte der Branche mindestens so viel Geld sparen können wie die hogast selbst. Man betrachte nur die Kosten für die IT heutzutage. Ich hätte die Verantwortlichen damals vielleicht besser informieren sollen.“ Andere meinen, dass hogast-Data sehr schnell nicht mehr konkurrenzfähig war, die Mitbewerber-Systeme einfach besser. Jedenfalls führte das dazu, dass sich die hogast auf die Kernaufgabe konzentrierte und Lieferpartner dazu brachte, besser und günstiger zu werden, anstatt sich mit ihnen in deren Metiers zu messen.

1990 war die hogast wieder der Zeit voraus und entwickelte mit „hogast Training Plus“ eine Seminarreihe – als einer der ersten Anbieter hierzulande. Das Konzept sah vor, dass die Mitglieder entsprechend den Genossenschaftsanteilen auch Bildungswertbriefe zeichnen und damit an Fortbildungen in diversen Bereichen von Persönlichkeitsentwicklung bis hin zum Küchen-Fachkurs teilnehmen konnten. Wertbriefe, die nicht eingelöst wurden, sind verfallen. Das hat dazu geführt, dass zuerst informeller Handel mit den Wertbriefen eingesetzt hat, später wurde eine Tauschbörse eingerichtet.

Jedenfalls waren die Mitglieder nicht glücklich mit der Verpflichtung, Bildungswertbriefe zu zeichnen. Auch die Umstellung auf ein freiwilliges System half nichts, 1996 wurde entschieden, „hogast Training Plus“ einzustellen. Die Erkenntnis daraus: Eine solche Verpflichtung der Mitglieder – und sei sie noch so sinnvoll – passt nicht zur hogast. Mittlerweile bringt die hogast mit freiwilligen Workshops wertvolles Wissen in die Branche, das Spektrum reicht von Nachfolge-Themen
über Finanzierung bis hin zu F&B-Fachkursen.

Nicht alles hat geklappt

Um die Jahrtausendwende kam die Idee auf, die Marktmacht der hogast durch eine weitere Expansion in Südosteuropa zu steigern. Mehr Mitglieder, bessere Konditionen – so einfach klang das. Aber ebenso wie die Partner in Südtirol nicht wirklich in Rest-Italien Fuß fassen konnten oder wollten und die Expansion über Bayern hinaus in Deutschland nur langsam in die Gänge gekommen ist, so mühsam gestaltete sich auch der Einstieg in Ungarn und Slowenien, die den Anfang machen sollten. Da sich der gewünschte Erfolg nicht einstellte, wurden diese Experimente – wie in diesem Fall geplant – nach kurzer Zeit wieder beendet. Offenbar ist das hogast-Konzept nur im Alpenraum richtig erfolgreich.

Im Geschäftsjahr 2007/2008 zeichnete sich ab, dass es schwieriger wird, geeignete Fachkräfte zu finden. Wiederum als Innovator hat die hogast mit „best for people“ ein Zertifikat für die besten Arbeitgeber im Tourismus entwickelt. Bedingung dafür war, dass man sich als Arbeitgeber von einem externen Institut überprüfen lassen musste. Das Projekt wurde wegen der zu geringen Beteiligung im Jahr 2013 beendet, einige Betriebe nützen das Zertifikat und die dazugehörige Jobplattform aber weiter intensiv. Für die hogast war es ein klares Zeichen, dass Innovationen noch stärker darauf ausgerichtet werden sollten, was für die Mehrzahl der Mitglieder relevant ist.

Manche Dinge brauchen auch nur Zeit, wie das Tochterunternehmen in Deutschland, das mittlerweile sehr erfolgreich ist.
Jakob Platzer, ehem. Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender