Eine Branche nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand

Was macht man, wenn man auf keine Unterstützung von Seiten der Politik hoffen darf? Man verbündet sich mit seinesgleichen. Genossenschaften eignen sich heute ebenso wie in den ersten Tagen der Industrialisierung ideal, gemeinsam mit anderen selbst für bessere Verhältnisse zu sorgen. Will man die immense Loyalität der Mitglieder zur hogast verstehen, muss man sich mit Genossenschaften auseinandersetzen.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen (l.) und Hermann Schulze-Delitzsch
Hermann Schulze-Delitzsch (l.) und Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Aus der Genossenschaftsbewegung des 19. Jahrhunderts stechen zwei Personen heraus: Friedrich Wilhelm Raiffeisen rief 1847 den ersten Hilfsverein zur Unterstützung der notleidenden ländlichen Bevölkerung ins Leben, etwa 500 Kilometer entfernt startete Hermann Schulze-Delitzsch eine Hilfsaktion für in Not geratene Handwerker. Mit dem „Vorschussverein“ gründete er kurz danach den Vorläufer der heutigen Volksbanken. Dessen Grundsätze Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung machen klar, dass die kleineren Betriebe nicht unbedingt auf Hilfe von außen hofften in ihrem Wettbewerb mit der aufkommenden Industrie. Diese Prinzipien drücken aber auch das Vertrauen in die eigene Stärke aus, das die Handwerker aus ihrem Zusammenschluss gewonnen hatten.

Solche wirtschaftlichen Kooperationen gab es natürlich schon viel früher: Der Begriff Genossenschaft wurzelt in dem altdeutschen Wort noz, das übersetzt Vieh bedeutet. Hatte jemand Anteil an einer Viehweide, so wurde er als Ginoz bezeichnet. Ging es um eine gemeinsame Viehhaltung, so war das Angelegenheit der ginozvaf. So entwickelte es sich, dass Gefährten mit gemeinsamen Erfahrungen oder Zielen als Genossen bezeichnet wurden.

Wenn wir heute von Genossenschaften sprechen, so meinen wir freiwillige Zusammenschlüsse von mindestens drei Mitgliedern. Gemeinsame Ziele und Interessen voranzutreiben ist das oberste Gebot einer Genossenschaft. Das können zum Beispiel Kostenvorteile durch die günstigen Beschaffungskonditionen sein. Die Mitglieder bleiben jedoch immer selbstständig. Vertrauen in die eigene Kraft ist das oberste Credo der einzelnen Mitglieder von Genossenschaften. Womit wir wieder bei den Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung angelangt wären.

Jedes einzelne hogast-Mitglied bestimmt selbst mit, wie die gemeinsamen Ziele erreicht werden sollen.
Jedes einzelne hogast-Mitglied bestimmt selbst mit, wie die gemeinsamen Ziele erreicht werden sollen.

Auch heute sehen sich Gewerbetreibende einem starken Wettbewerbsdruck ausgesetzt, zusätzlich belasten hohe Steuern und diverse Bürokratie Auswüchse jeden einzelnen Betrieb. Kein Wunder, dass eine über Jahrzehnte perfektionierte Genossenschaft wie die hogast attraktiver ist denn je. Indem sie sich zusammenschließen, erhalten die Gastronomen und Hoteliers sowohl zeitliche als auch finanzielle Vorteile. Dieser Vorsprung kann den Unterschied im harten, auch internationalen Wettbewerb ausmachen.

Jede Genossenschaft setzt ein hohes Maß an Loyalität voraus. Würde jemand illoyal agieren, würde er gegen die Interessen aller handeln und sich als Miteigentümer auch direkt ins eigene Fleisch schneiden. Je mehr jedes einzelne Mitglied bestrebt ist, das gemeinsame Ziel zu erreichen, desto erfolgreicher werden alle. Auch die Genossenschaft wird dadurch attraktiver. Dass sich im konkreten Fall der hogast mittlerweile rund 2.600 Betriebe zur Loyalität für die gemeinsame Sache bekennen, zeigt, wie stark diese Gemeinschaft ist. „Ich schätze das Vertrauen und die Loyalität unserer Mitglieder sehr. Wir haben so die Möglichkeit und den Freiraum, jene Dinge schnell anzupacken, die getan werden müssen“, so Vorstandsvorsitzende Barbara Schenk.

Der Geist der freien Genossenschaft ist der Geist der modernen Gesellschaft.
Hermann Schulze-Delitzsch, Gründervater der gewerblichen Genossenschaftsbewegung